Der freie Markt: amerikanisch
- Halûk Uluhan

- 2. Feb. 2015
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 20. Juni
Als es noch keine Plagiate gab...

Dort wo heute die Wasserpfeifen-Cafés sind, also wo einst das Artilleriegelände und später die Fordwerke waren, gab es ab den 50er Jahren den Amerikan Pazarı, den "amerikanischen Markt". Hier konnte man echte Jeans und andere Markenware an Kleidung haben. Zunächst waren es die in der Türkei stationierten amerikanischen Soldaten und andere Marshall-Planer, die vor ihrer Rückkehr ihre Habseligkeiten verkauften. So entstand die Bezeichnung Amerikan Pazarı. Später wurde daraus ein Schmugglermarkt.
Die Türkei hatte ein in sich geschlossenes Wirtschaftssystem, ausländische Produkte waren nicht einfach zu haben. Die Währung war nicht konvertibel. Bis zur Regentschaft von Turgut Özal, dem Bewunderer der Chicago Boys, war es so. Und dann kam die große Freiheit! Wir schrieben die 80er Jahre...

Muhteşem Kot
Vorher gab es nur eine Jeanshosen-Marke KOT, doch verfärbten sich diese dunkelblauen Hosen gar nicht. Heute noch sagen die Türken "Kot" zu Jeans. Der unternehmenslustige Schneider Muhteşem Kot, der in den 40er Jahren in Frankreich die Bekanntschaft mit den amerikanischen Jeans gemacht hatte, fing mit der Produktion der Hosen in der Türkei an. Kurz darauf erfreute sich seine Marke hoher Beliebtheit. 1960 konnte er schon täglich 200 Hosen herstellen. Die Firma existierte noch bis 1992.

Die Kot-Hosen hatten nur den Schnitt der Jeans, blieben aber immer hässlich dunkelblau. Das heißt, sie waren nicht indigo-gefärbt und nicht stonewashed. Das gefiel der jungen, modebewußten Generation gar nicht. Echte Jeans bestellte man entweder bei jemandem, der ins Ausland ging, oder man musste sie in diesen Geschäften in Tophane erstehen.
Nur wussten die Türken nie, ob sie hier zu teuer oder recht günstig gekauft hatten. Man verließ das Geschäft immer mit einem komischen Gefühl im Magen. Eben, der amerikanische Markt, frei...




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