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Tophane

  • Autorenbild: Halûk Uluhan
    Halûk Uluhan
  • 2. Feb. 2015
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 6 Tagen

Ein Stadtteil im Dauerumbruch

Tophane heißt einfach Kanonengießerei. Dieser unübersehbare Bau mit den vielen Kuppeln und Entlüftungskaminen ist für den Namen der Gegend verantwortlich: die Tophane-i Amire. Die Ursprünge dieser Waffenfabrik gehen auf 1453 zurück, also auf die Eroberung von Konstantinopel. 1823 wurde der Bau bei einem Brand stark zerstört und erneuert. Tophane war wohl das älteste Industriegebiet von Istanbul.

Heute wird das Haus als Ausstellungshalle genutzt; unter der Obhut der Mimar-Sinan-Universität der Bildenden Künste.

Man muss sich hier die alte Küstenlinie dort vorstellen, wo heute die Hauptstraße verläuft, also dort, wo die Anhöhe beginnt. Der flache Streifen bis zu heutigen Küsten wurde im Laufe der Geschichte, hauptsächlich aber in der Neuzeit, künstlich aufgefüllt. Die Gießerei war also am Wasser, am steilsten Hang gebaut, so dass Schiffe hier anlegen und die schweren Kanonen direkt laden konnten.

Tophane als Verlängerung des Hafengebietes musste kosmopolitisch sein und war es auch. Nach dem Ersten Weltkrieg verließen die meisten Nichtmuslime, Nichttürken die Stadt. Tophane war eher bekannt als "Zigeunerviertel", da die verlassenen und heruntergekommenen Häuser gerne von Roma bewohnt wurden.​​

In den letzten Jahren des Reiches und in den ersten Jahrzehnten der Republik ist die Gegend berühmt für ihre Kabadayı, für die Rüpel, Rohlinge, Raufbolde und Stadtteil-Tyrannen. Diese Typen waren aber auch oft die Beschützer des Stadtteiles, der "Mahalle".Mittlerweile wohnen viele türkische Araber und Kurden aus den südöstlichen Provinzen wie Siirt und Bitlis hier. Die Bausubstanz ist alt und oft schlecht.

Tophane liegt genau zwischen dem Kunstzentrum (Istanbul Modern, Mimar-Sinan-Uni) und dem bei Intellektuellen beliebten Viertel Beyoğlu. Die Achse heißt mittlerweile "Art Walk". Daher siedeln sich hier Kunstgalerien und Design-Studios an, was bei der altansässigen Bevölkerung manchmal auf Widerstand stößt. Die "Ureinwohner" mögen nicht, wenn bei einer Vernissage auf dem Trottoire Alkohol getrunken wird. Sie mögen vieles nicht. Das Spannungsfeld bekommt man zu spüren, wenn man hier wohnt.Das einzig Beständige ist der Wandel, auch in Tophane.








Im Buch: Ort 102


 
 
 

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