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Herr "Kup Griye" ist tot

  • Autorenbild: Halûk Uluhan
    Halûk Uluhan
  • 16. Juni 2016
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 20. Juni

Istanbuls Gaumen trauert um Harry Lenas

Am 11. Juni 2016 hat sich Istanbul wieder von einem seiner großartigen Söhne verabschiedet, von Harry Lenas. Er war der erste „studierte“ Konditor. Harry war Sohn von Filip Lenas, dem Gründer der Patisserie Baylan. Ein griechischer Istanbulit. Es wird aber eher Harry mit dem Namen Baylan identifiziert, da er das Familienunternehmen ausgebaut hat.

Der aus Epirus stammende albanisch-griechische Philipp Lenas, kam Anfang des 20. Jahrhunderts mit 16 nach Istanbul und hatte nur eines im Kopf: Konditor werden. Einige Jahre arbeitete er bei den französischen Schokoladenherstellern "Mulatier", um dann 1923 in Pera mit seinem Cousin Georgios zusammen die Konditorei Loryan (L'Orient) zu eröffnen. Philipp Lenas' Unternehmen ist also so alt wie die Republik Türkei.

Nach kurzer Zeit wurde Loryan mit Markiz, Lebon und Moskva konkurrenzfähig und erfreute sich hoher Beliebtheit.

Im Zuge der Turkisierung von Namen und Marken wurde 1934 die Marke Loryan in Baylan umbenannt und produzierte auch Schokolade. Die 1939 in Karaköy gegründete Schoko-Fabrik zog mehrmals um und lief bis 1984.

Luxushotels wie Pera Palas, Park Otel oder Tokatlıyan, aber auch der Staatspalast Dolmabahçe waren gute Kunden für diese führenden Konditoreien. Baylan leistete auch Cateringservice für wohlhabende Istanbuliten in ihren Ufervillen am Bosporus.

Die zweite Filiale wurde in Karaköy eröffnet.

Harry war der älteste Sohn des Philipp. Erst lernte er bei seinem Vater den Beruf und wurde dann nach Wien geschickt, er sollte auf der Zuckerbäckerschule eine Ausbildung bekommen. An diversen Konditoreien in Wien machte Harry sogar an Feiertagen sein Praktikum und kam dann in Luzern auf die berühmte Richemont Fachschule. Seine Kenntnisse über Schokoladenherstellung vertiefte er in Gräfrath-Solingen (heute ist dort die Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft).

Harry war nun der "Akademiker" unter den Confiseuren und Patissiers von Istanbul.

Die Baylan-Filialen waren in den 1950-ern sehr beliebt unter Literaten und Dichtern wie Atilla İlhan, Oktay Akbal, Behçet Necatigil, Fazıl Hüsnü Dağlarca, Haldun Taner, Cemal Süreyya, Salah Birsel, Peyami Safa, Orhan Kemal, Orhan Duru, Ahmet Oktay, Fethi Naci, Leyla Erbil, Tomris Uyar, Sevim Burak...

Die Karaköy-Filale, die 1954 im Erdgeschoss des Nordstern-Hauses wieder eröffnet wurde, brachte zwei große Neuigkeiten für die Türkei: eine "Tagesbar" und eine Espresso-Maschine. Harry Lenas war seiner Zeit voraus.

Eine Kreation von ihm ist Kup Griye, eine Wonne...

Heutzutage sind Baylan-Konditoreien nur in Kadiköy und in Bebek im Betrieb.

Istanbul hat sich von einem der letzten Istanbuliten verabschiedet.

 
 
 

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