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Aus gegebenem Anlaß

  • Autorenbild: Halûk Uluhan
    Halûk Uluhan
  • 7. Feb. 2016
  • 3 Min. Lesezeit

Yassıada - Plati

In den türkischen Medien kursierten neulich Aufnahmen von der Yassıada, einer der Prinzeninseln - völlig kahlgeschoren, Hügel wegrasiert und Küste aufgefüllt. Eine neue Umweltschande? - Ja.

Istanbul vorgelagert sind die Prinzeninseln. Sie werden so genannt, weil sie schon zu byzantinischer Zeit häufig Verbannungsort von Fürsten und Fürstenkindern waren. Die Inseln sind im Sommer ein Paradies, Orte der Ruhe und der Erfrischung. Kein Autoverkehr - nur Fahrräder oder Pferdekutschen sind unterwegs. Wer dort lebt, kann sich glücklich schätzen.

Insgesamt sind es neun Inseln, fünf davon sind bewohnt.

Eine der kleinsten Inseln ist Yassıada, die platte Insel. Griechisch: Plati, also doch platt.

Die Reputation dieser Insel ist aber ganz anders, eher schauerlich.

Die nicht bewohnte platte Insel war bis zu ihrer kürzlich erfolgten Privatisierung im Militärbesitz. Nach dem Putsch von 1960 stand die Regierung Menderes hier vor einem Tribunal. Drei Regierungsmitglieder wurden zum Tode verurteilt, darunter Adnan Menderes, der gestürzte Ministerpräsident, der aus der Türkei ein Kleinamerika machen wollte.

Die Gerichtsverhandlungen wurden durch das Radio übertragen. Neugierige Bürger besorgten sich über die Behörden eine Besuchererlaubnis zu den Verhandlungen. Sonderschiffe fuhren die Besucher auf die Insel.

Nun hat auch das Militär die Insel geräumt. Nach langem Hin und Her wütet auch dort die Bauwut, wie die letzten Aufnahmen in der Presse zeigen. Die gesamte Pflanzenwelt der Insel ist zerstört. Auch historische Bauten wie eine Klosteranlage und eine alte, stolze Villa sind wohl für immer verlorengegangen.

Der englische Botschafter zu Istanbul Henry Bulwer (voller Name: William Henry Lytton Earle Bulwer, 1st and last Baron Dalling and Bulwer of Dalling) kaufte 1857 die Insel, um dort für sich ein Sommerschlösschen bauen zu lassen - ganz im angelsächsischen Stil. Doch, es fand sich im damaligen Istanbul kaum ein Ingenieur oder Architekt, der der Aufgabe gewachsen war.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sah es nördlich des Goldenen Hornes und am Bosporus aus wie auf einer Großbaustelle. Dolmabahçe und andere Uferpaläste waren im Entstehen - die Grand Rue de Pera mit den vielen Botschaftspalais ebenso. Dieser Bauboom und der Mangel an Fachkräften wurde in Europa bekannt. Es folgte ein Zuzug von qualifizierten Menschen nach Istanbul.

Ein junger, deutscher Ingenieur war auch dabei. Er hatte Tuberkulose, und man riet ihm zu der guten Luft am Bosporus.

Man kommt ja mit seinesgleichen in Berührung - erst recht im Ausland. Der Brite mit dem sehr langen Adelsnamen lernte den jungen deutschen Ingenieur kennen. Er beauftragte ihn mit dem Bau seiner burgähnlichen Villa. Dieser baute sie. Seine gute Arbeit fiel auf. Andere überhäuften ihn mit weiteren Aufträgen.

Er fiel insgesamt sehr positiv auf, und der Großwesir Fuad Paşa bestellte ihn an den Hof.

Der Deutsche wurde mit der Landvermessung für die günstigste Straßenverbindung von Istanbul nach Smyrna (Izmir) beauftragt. Nach Izmir fuhr man damals noch eher per Schiff.

Auf dem Pferderücken war er monatelang in der heutigen Westtürkei unterwegs. Er hatte zwei Männer als Helfer dabei, und vier Revolver. So kam er 1865 bis etwa auf die Höhe von Dikili.

Dort sah er auf einem markanten Hügel Einheimische, die weiße Steine - wohl Marmor - kleinhackten, und sie in Öfen zu Kalk brannten. Er schaute sich die Steine etwas genauer an. Er war zwar kein Archäologe, aber die Steinplatten waren einfach zu schön, um zerhackt zu werden. Sie enthielten wunderbare, plastische Darstellungen - Reliefs.

Er fertigte Skizzen und schickte sie zusammen mit einigen Exemplaren seines Fundes nach Berlin.

Er hatte eine großartige Sache entdeckt: das antike Pergamon und seinen Altar!

Der junge deutsche Ingenieur von der Prinzeninsel hieß Carl Humann.

 
 
 

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