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Am Hafenkai von Karaköy V

  • Autorenbild: Halûk Uluhan
    Halûk Uluhan
  • 25. Dez. 2015
  • 2 Min. Lesezeit

Passagierhalle

"Yolcu Salonu" ist eine Halle für Passagiere, ein Terminal. In diesem Fall das Tor von Istanbul, das empfangende Gesicht.


In alten Zeiten gingen Schiffe im Wasser vor Anker und lagen auf Reede oder machten an Tonnen fest. Kleine Barkassen ruderten sich an die Schiffe heran, um Waren und Menschen ans Ufer zu bringen. Was für eine mühselige Sache!

Das Passagierterminal ist eine Ikone der modernen Architekturbewegung der Türkei. Als Ergebnis eines internationalen Wettbewerbs basiert es auf den Vorgaben der Turkish Maritime Lines.


Das Gebäude überzeugt tatsächlich durch seine Einfachheit und Erhabenheit. Eine transparente Fassade öffnet sich zum Wasser hin, während die straßenseitige Lochfassade geschlossen ist. Ein hoch aufragender Uhrturm markiert das Gebäude am Ufer. Da ist natürlich keine Uhr mehr dran.

Gewinner des internationalen Wettbewerbs 1937 war der türkische Architekt Prof. Dr. Rebii Gorbon. Zu den Jurymitgliedern zählte unter anderem der Bosporusdeutsche Bruno Taut, der damals an der Istanbuler Technischen Universität Professor für Architektur war.


"Liman Lokantası" war ein schönes Restaurant in den oberen Etagen des Hauses. Das Essen war nicht besonders herausragend, dafür aber der einmalige Blick auf die Altstadt. Die weißen Tischdecken waren dick, gestärkt, gebügelt und immer sauber, die Kellner - ältere Herren - stets mit Fliege am Hals. Die Garderobe nahm auch Zylinderhüte entgegen und hat sie artgerecht aufbewahrt. In der Karriere eines Kellners war es ein besonders positiver Punkt, hier gedient zu haben.

Nach dem 2. Weltkrieg sollte die damals junge Republik die protektionistische Wirtscahftspolitik aufgeben. Der Staat sollte Privatinitiative eher fördern als sich in den Weg zu stellen. Unternehmer sollten weniger Steuerlast haben. Kurz gesagt: der Kapitalismus war im Anmarsch. Ende Novemver bis Anfang Dezember des Jahres 1948 tagte der "2. Wirtschaftskongress" hier im Liman Lokantası.

Am 28. Dezember 1968 geschah aber etwas ganz anderes. Der wegen Drogenschmuggel gesuchte und mit seiner Freundin in einem italienischen Auto erwischte 33-jährige US-Amerikaner Ralph Gary Bouldin wurde hierher gebracht. Schmuggeldezernat der Istanbuler Polizei war damals im selben Gebäudekpomplex auf der selben Etage wie das Restaurant. Bouldin, der versucht hatte zu entkommen, ballerte herum, erschoß dabei 4 Menschen. Er schloß sich in das Restaurant ein und nahm Kellner als Geisel. Nach einer stundenlangen Schießerei wurde er getötet.

Cumhuriyet, 29.12.1968

Chicago Tribune, 29.12.1968

Wenn die Wände sprechen könnten!

 
 
 

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