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Griechische Volksschule

  • Autorenbild: Halûk Uluhan
    Halûk Uluhan
  • 24. März 2015
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 6 Tagen

Kunst statt Kindergeschrei

Unterwegs auf der Kemeraltı-Straße in Richtung Karaköy übersieht man in der Regel ein schönes Haus rechts. Die Straße ist unfreundlich und gilt nicht gerade als Flaniermeile. Geschäfte, die Outdoor-, Jagd- oder Taucherausrüstung verkaufen, dominieren; sonst gibt's viel Verkehrslärm.

Das stolze, klassizistische Gebäude mit einer dunkelgrauen, wohl von Umwelteinflüssen mitgenommenen Fassade ist ein Werk des ausklingenden 19. Jahrhunderts. Nach einer 30-jährigen Bauzeit wurde die Schule 1888 eingeweiht und überlebte alle Erdbeben. Finanziert wurde sie von griechischen Geschäftsleuten aus Galata.



Mangels Schüler wurde die Schule mittlerweile stillgelegt. Doch es kam noch schlimmer: Der türkische Staat hat die Schule von ihren Einkünften abgeschnitten. Die Ladengeschäfte im Erdgeschoß wurden mitsamt Schulgebäude konfisziert.

Mittlerweile atmen die Griechen in Istanbul etwas auf, da ihnen die Immobilien der Minoritätenstiftungen zurückgegeben werden sollen. Eine Praxis, die in den 1980-er Jahren unter Militärdespotismus ihren Ursprung hatte, soll jetzt unter Zivildespoten wiedergutgemacht werden. Wie erfreulich, wenn's wahr wird!

Wenn die Istanbuler Intelligenzia ehrlich ist, muss sie zugeben, dass man auf dieses Haus erst aufmerksam wurde, seit es als Ausstellungs- und Veranstaltungshaus zur Verfügung steht.

An geraden Jahreszahlen findet in der Stadt die Design-Biennale und an ungeraden die große Istanbul-Biennale statt. Letzten Herbst konnte man in der "Skoli Galata" die Werke internationaler Designer unter dem Motto "Die Zukunft ist nicht mehr so wie früher" bewundern. Dieses Motto schien mir fast ein Plagiat eines Karl-Valentin-Spruchs zu sein: "Früher war sogar die Zukunft besser". Besser kann man die populistische Nostalgie der Menschen nicht verspotten. Gleichzeitig drückte das Motto der Biennale einen brutalen Realismus aus: Früher kreischten hier griechische Kinder.


Die Absolventen der Schule treffen sicmittlerweile wieder. Am 22. März 2014 trafen sie sich zum dritten Mal und durften sogar den ökumenischen Patriarchen Bartholomäus I. als Gast begrüßen.

Die nächste, vierzehnte Biennale kommt ganz bestimmt. Unter dem Motto "Salzwasser - Eine Theorie der Gedankenformen" finden verschiedene Veranstaltungen und Ausstellungen statt: 5. September - 1. November 2015.

Dort wo früher griechische Kinder lernten und spielten, plaudern heute Künstler und Kunstbeflissene. Ich bin dankbar dafür, dass man kein Einkaufszentrum daraus gemacht hat.


 
 
 

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