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Çay

  • Autorenbild: Halûk Uluhan
    Halûk Uluhan
  • 1. Apr. 2016
  • 2 Min. Lesezeit

Der schwarze Tee ist rot


Obwohl man überall den „türkischen Kaffee“ kennt, trinkt jeder in der Türkei täglich literweise Tee, den schwarzen nämlich. Mit immerhin 221 Liter Teeverbrauch pro Kopf und Jahr ist die Türkei in dieser Hinsicht auf Platz 4 weltweit. Nachdem das Osmanische Reich die Kaffeeanbaugebiete in den arabischen Ländern verloren hatte, eilte als Ersatz der Tee zur Hilfe. Und er muss den Türken geschmeckt haben. Obwohl der Tee-Anbau in der Türkei eine relativ junge Geschichte hat – erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts – avancierte das Land mit 225 Tausend Tonnen Jahresproduktion schnell zum fünftgrößten Tee-Land. In der Türkei werden für die Herstellung von einem Kilogramm Schwarztee sechs Kilogramm Teeblätter verarbeitet. Anbaugebiet ist die östliche Schwarzmeerküste. Über eine Million Menschen dort leben vom Tee-Anbau.

Die Türken mögen den schwarzen Tee. Nur wenn sie erkältet sind, trinken sie Lindenblütentee oder Ähnliches. Den grünen Tee kennen sie kaum. Und der berühmte Apfeltee ist nur unter den Touristen berühmt.

Das Wasser sollte nicht zu hart sein. Wenn man einen billigen Tee gekauft hat, der viel Teestaub aufweist, sollte man ihn kurz vor dem Kochen mit kaltem Wasser „waschen“, schnell sieben und dann in die Kanne geben. Gute Tees brauchen nicht gewaschen zu werden.

Üblicherweise wird mit dem zweiteiligen „System“ der „Tee auf türkisch“ zubereitet. Unten ist die größere Kanne (Çaydanlık) fürs heiße Wasser und oben die kleinere (Demlik) für den Sud. Zuerst werden die trockenen (oder feuchten) Teeblätter in die Demlik gegeben (ohne Wasser!), und das Wasser in der großen Kanne gekocht. Das gekochte Wasser gibt man dann in die kleine Kanne, und das übrige Wasser bleibt in der großen unteren Kanne, dampft auf kleiner Flamme vor sich hin und hält die obere Kanne warm. Erst wenn die Teeblätter auf den Boden der Demlik gesunken sind, also nicht mehr schwimmen, ist der Tee fertig.

Man trinkt ihn aber immer mit dem heißen Wasser verdünnt. Sud allein wäre viel zu bitter. Je nach Geschmack kann man den Tee dünn (açık) oder stark (demli) haben. Eine etwas weniger appetitliche Bezeichnung für einen starken Tee ist für manche Menschen "tavşan kanı", was Hasenblut heißt.


Natürlich trinkt man den Çay in den geeigneten Gläsern mit der schlanken Taille (ince belli), die auf einer meist bunten Untertasse stehen, wo auch ein Löffelchen zum Umrühren von Zucker liegt. Zucker? Ach, das muss jeder selber wissen.

Die Gesetze der Zentrifugalkraft führen tagtäglich die Laufburschen von Teeküchen mit ihren schwenkbaren Tabletts vor, die Tee in die umliegenden Geschäfte liefern, ohne einen Tropfen unterwegs zu verlieren.


 
 
 

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