top of page

Cicerone-Monatsprogramm: September

  • Autorenbild: Halûk Uluhan
    Halûk Uluhan
  • 14. Sept. 2015
  • 4 Min. Lesezeit

Rosch ha-Schana oder das jüdische Gesicht Istanbuls

"Schana tova u'metuka" haben sich die Juden in der Nacht vom 13. auf den 14. September gewünscht: ein gutes und süßes Jahr. Auch Istanbuler Juden feierten den Jahreswechsel. Sie schreiben ab heute das Jahr 5776.


Gemeinsames Essen an dekorierten Tischen gehört unbedingt zu den festlichen Riten. Dadurch gewinnt das Fest eine Seele und einen Sinn. Speziell für Rosch ha-Schana vorbereitete Speisen sind süß für ein süßes Jahr, rund für ein rundes und sich mehrend für ein fruchtbares Jahr. Meistens findet man Granatäpfel auf dem Tisch. Nach Talmud kommt der Symbolik eine große Bedeutung zu. So wie das Jahr beginnt, so geht es weiter, wie der Körper dem Kopf (Rosch) folgt.

Essen und Gebet sind Hauptbestandteile der Rosch ha-Schana-Tage. Ja, zwei Nächte hintereinander feiert man. Das Ritual besteht aus drei Teilen. Am zweiten Tag, wenn man von der Synagoge kommt, gibt es auch Wein zum Essen. Die sephardischen Juden Istanbuls brechen am zweiten Abend das Brot auf dem Tisch und tunken es in Zucker oder Honig.

Im Türkischen sagt man ja auch: "Süßes Essen - süße Unterhaltung".

Die weltweit größte jüdische Gemeinde lebte einst im Osmanischen Reich. Schon vor 1453, also vor der Eroberung Konstantinopels durch die Türken, gab es in dieser Stadat Juden: Karäer. Diese heute etwa 30 Personen zählende jüdische Gruppe ist schwer zuzuordnen. Einerseits verstehen sich die Karäer als jüdische Religionsgemeinschaft, andererseits als eigene Volksgruppe innerhalb der Turkvölker, deren Sprache einer Untergruppe der westtürkischen Sprachen zuzuordnen ist. Ihre Religion und die religiösen Praktiken unterscheiden sich zum Teil deutlich vom rabbinischen Judentum. Der Ursprung ist bisher nicht sicher geklärt.

Die jüdische Präsenz in der heutigen Türkei kann man allerdings bis in das 4. Jh. v. Chr. zurück verfolgen. Die Synagoge in Sardes wurde 220 v. Chr. gebaut. Jüdische Gemeinden wurden von den ersten christlichen Missionaren wie Paulus aufgesucht. Im Römischen Reich mit dem Kaiserkult war das Judentum als eine der vielen Glaubensrichtungen erlaubt, wogegen das missionierende Christentum bis zum Toleranzedikt Konstantins verfolgt war.

Seit dem Sultan Orhan I. im 14. Jahrhundert durften Juden im Osmanischen Reich unter Auflage einer Sondersteuer Grundbesitz frei erwerben.

Im 15. Jahrhundert standen die Juden in Spanien vor der Alternative, zum Christentum überzutreten oder das Land zu verlassen. 1492 wurden 120.000 - 150.000 Juden aus Spanien ausgewiesen, die ihr Gold und sonstige Schmuckgegenstände sowie Geld der katholischen Regierung überlassen mussten. Die Mehrheit von ihnen floh nach Portugal, von wo sie aber 4 Jahre später auch vertrieben wurde.

Der Sultan des Osmanischen Reiches Bayezid II. ließ ein Dekret veröffentlichen, in dem die Juden willkommen geheißen wurden. Daraufhin wanderte eine große Zahl der spanischen und portugiesischen Juden ins Osmanische Reich aus. Bazeyid schickte seine Schiffe nach Spanien, um diese Menschen - die Sepharden - zu transportieren. Sepharad ist die iberische Halbinsel. Sie haben eine eigene Sprache: Ladino. Dieses Judenspanisch hat für die Sephardim die gleiche Funktion wie Jiddisch für die Aschkenasim.


In Konstantinopel gab es bereits im 16. Jahrhundert 44 Synagogen. Laut jüdischem Archiv ließ es sich – verglichen mit dem Abendland – im Osmanischen Reich viel freier und besser leben. Der Rabbiner Isaak Zarfati sandte im Jahre 1470 auf Hebräisch ein Rundschreiben an alle deutschsprachigen jüdischen Gemeinden, in dem er sie dazu aufforderte, sich im Osmanischen Reich anzusiedeln.

Osmanischer Jude 1779

Neben Karäern und Sepharden leben in der Türkei auch aus Mittel- und Osteuropa stammende Aschkenasim.

Der Antisemitismus in der Türkei war seit der osmanischen Zeit nur eine Randerscheinung. Robert Schild, einem Autor der jüdisch-türkischen Zeitung Şalom, zufolge, war die Türkei nie ein antisemitisches Land. Allerdings breitet sich in neuerer Zeit der Antisemitismus immer mehr in islamistischen und nationalistischen Milieus aus.

Zwar verbot die türkische Republik bereits vor dem Zweiten Weltkrieg, ausländischen Juden Visa zu erteilen, doch wurde dieses Dekret durch manche türkische Diplomaten umgangen, indem sie vielen Juden die türkische Staatsbürgerschaft verliehen und sie so vor den Konzentrationslagern retteten. So hat zum Beispiel die zentrale Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel den damaligen türkischen Konsul in Rhodos, Selahattin Ülkümen, mit dem Ehrentitel Gerechter unter den Völkern ausgezeichnet, weil er den Juden der heute griechischen Insel Rhodos (das damals zu den italienischen Ägäis-Inseln gehört hatte) unter Einsatz seines Lebens zur Flucht verholfen hatte. Der Generalkonsul der Türkei in Marseille, Necdet Muhtar, stellte für 18.000 Juden zumeist osmanischer Herkunft türkische Papiere aus und rettete sie so vor dem Holocaust. Er und der damalige türkische Botschafter in Paris, Behiç Erkin, wurden von der Internationalen Raoul Wallenberg Foundation (IRWF) im Rahmen einer Gedenkveranstaltung in New York am 1.11.2005 für ihre Taten geehrt.

Wegen des generellen Einreiseverbots sowie auf britischen Druck wurde Anfang 1942 dem Schiff Struma mit 769 jüdischen Flüchtigen aus Rumänien die Landung auf türkischem Boden verwehrt. Es sank kurz darauf im Schwarzen Meer, vermutlich nach Torpedobeschuss durch ein sowjetisches U-Boot, es gab nur einzelne Überlebende. Ab Ende 1942 war Istanbul der Sitz der Organisation „Vaad Ha-Hatzalah“ der Jewish Agency, die die Aufgabe hatte, auf legalen und halblegalen Wegen möglichst vielen Juden aus Europa zur Flucht nach Palästina zu verhelfen.

Im Holocaust sind auch Juden türkischer Staatsangehörigkeit umgekommen. Alleine 1.282 der 67.488 Personen, die vom Sammellager Drancy in die verschiedenen KZ eingeliefert wurden, waren türkische Staatsbürger.

Am 16. September 2005 wurde im Konzentrationslager Dachau eine Gedenktafel für die vom nationalsozialistischen Deutschland verfolgten türkischen Staatsbürger angebracht.

Das Museum der türkischen Juden in Karaköy in der ehemaligen Zülfaris-Synagoge schließt am 20. September und zieht in die Synagoge Neve Schalom um. Hoffentlich bald.

Was Istanbul ohne Griechen, Armenier und Juden geworden ist, wissen wir ja.

Was wäre Istanbul ohne das Jüdische Museum?


 
 
 

Kommentare


IMPRESSUM

Cicerone.Travel ist eine Marke von Holiday Vibes Travel.

TÜRSAB-Lizenznummer: A-13738

BEHER TURİZM LTD. ŞTİ.

Güzeloba Mah. 2209 Sok.

Ümmühan Akdoğan Sit.

B Blok No. 5/7

07230 Muratpaşa - Antalya
 

Steuernummer: Antalya Kurumlar V.D. 1601645583

KONTAKT:

İSTANBUL-ANTALYA

WhatsApp 0532 214 66 29

WhatsApp 0532 245 35 00

WhatsApp 0533 779 39 85

info@cicerone.travel

KÜNYE

Cicerone.Travel bir Holiday Vibes Travel markasıdır.

TÜRSAB A-13738

BEHER TURİZM LTD. ŞTİ.

Güzeloba Mah. 2209 Sok.

Ümmühan Akdoğan Sit.

B Blok No. 5/7

07230 Muratpaşa - Antalya
 

Antalya Kurumlar V.D. 1601645583

İLETİŞİM:

İSTANBUL-ANTALYA

WhatsApp 0532 214 66 29

WhatsApp 0532 245 35 00

WhatsApp 0533 779 39 85

info@cicerone.travel

  • Facebook Social Icon

Facebook: Cicerone.Travel

Instagram: cicerone.ile.seyahat

bottom of page