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Surp-Pırgiç-Hisus-Kirche

  • Autorenbild: Halûk Uluhan
    Halûk Uluhan
  • 17. Juli 2015
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 6 Tagen

Erlöserkirche im Rotlichtbezirk - Pfui!

Das ist ein Irrgang durch die Achse Tophane-Karaköy. Ich weiß, liebe Cicerone-Leser. Bis ich eine bessere Lösung gefunden habe, bitte ich Sie alle wieder an die Kemeraltı Caddesi, Nahe Schule St. Benoît. Genau dort an der Ecke geht die Alageyik-Gasse hoch, eine alte Steigung mit Kopfsteinpflaster. Alageyik heißt Rothirsch.

Man sieht dort fast immer junge Männer in Gruppen hoch- und runtergehen, sonntags auffälliger. Die Rothirsch-Gasse führt zum offiziellen Bordell, zum „Genelev“.


Und an dieser Ecke sieht man die armenisch-katholische Surp-Pirgiç-Hisus-Kirche, zu Deutsch Kirche des Heiligen Jesus, des Erlösers. Sie wurde 1834 erbaut – natürlich nach einem Erlass des Sultans – und ist die älteste armenisch-katholische Kirche der Stadt. Bis 1928 diente sie als Katholikatskirche. Gleich dahinter sieht man die Kuppel der noch heute von der jüdischen Gemeinde Istanbuls genutzten Aschkenasi-Synagoge.

Der dramatische Völkermord von 1915 und die Turbulenzen danach machten es den Armeniern im ausgehenden Osmanischen Reich und in der aufgehenden Republik Türkei nicht leicht. Nach Umzug des Katholikats nach Beirut 1930 hatte dieses Haus praktisch keine Funktion mehr.

Der alte Eingang über die Kuyu Sokak wird nicht mehr genutzt - Rotlichtbezirk! Der heutige Eingang ist nicht leicht zu finden. An der Hauptraße geht man an Geschäften und Cafes vorbei, bis man rechts eine Straßennische mit einer Treppe entdeckt. Eine nette Wärterin hört die Klingel an der Tür und läßt den Besucher rein. Man ist im Vorhof der Kirche. Es sieht aus wie der Eingang eines antiken Tempels - verblüffend! Im Hintergrund sind heruntergekommene Bordellbauten. Schmunzelnd meint die Wärterin "Manoukian" - auf die Häuser deutend. Manoukian war eine armenische Puffmutter, die sich eine goldene Nase am Sex-Geschäft verdiente und jahrelang die größte Steuerzahlerin des Landes war. Muslimische Türken, selbst Holdings waren nicht so weit oder so ehrlich - mit dem Steuern zahlen!


Der Grundriss und das Bauverständnis der Kirche sind eindeutig italo-katholisch. Und wie so oft, will uns eine Legende erzählen, dass eine Pestepidemie in der Stadt abgewehrt wurde - mit Hilfe eines Marienbildnisses gerade aus dieser Kirche, das man durch die Straßen von Galata trug.

An der Alageyik-Gasse, etwas oberhalb in Richtung Bordell, ist außerdem eine nicht mehr genutzte Synagoge zu sehen. Nach dem Einzug der Prostitution in das Viertel hat sich das Geschäft mit der Religion zurückgezogen - eine Verbeugung vor dem viel älteren Geschäft der Prostitution...

 
 
 

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