Café Karabatak
- Halûk Uluhan

- 14. Aug. 2015
- 2 Min. Lesezeit
Ein Bosporus-Kormoran als Kaffeehändler
Kapuziner, Kleiner Brauner, Wiener Melange, Franziskaner, Einspänner... Können Sie sich vorstellen, das alles auf der Liste eines Kaffeehauses in Istanbul vorzufinden? Istanbul ist immer für eine Überraschung gut.

Gleich neben dem Patriarchat der orthodoxen Türken ist ein Eckhaus, das sich durch eine Gartenlaube über der engen Straße kennzeichnet: Karabatak. Für Verlorengegangene sind die Koordinaten an der Außenwand des Hauses angegeben. So weiß man, wo man verlorengegeangen ist.

Der kleine Mustafa einer kinderreichen Familie ging immer wieder verloren, und keiner merkte es. Sie waren ja so viele. Irgendwann tauchte er aber auf - wie ein Kormoran vom Bosporus. Sie nannten ihn nach diesem Wasservogel "Karabatak - Kormoran".

Mustafa wuchs und wurde Kaffeehändler im Land der ehemaligen Kaffeetrinker - in Istanbul. Er hat die Generalvertretungsrechte von Julius Meinl bekommen und beliefert etliche andere Cafés im Lande. Er ist ein Geschäftsmann geworden.
Das österreichische Unternehmen Julius Meinl stammt aus dem Jahre 1862. Gründer ist Julius Meinl I., der im Wiener 1. Bezirk am Fleischmarkt anfangs nur grüne Kaffeebohnen, später auch frisch gerösteten Kaffee angeboten hatte.
In der k.u.k. Monarchie wurde das Unternehmen in seiner Branche führend. Auch nach dem Ersten Weltkrieg blühte das Geschäft mit frisch geröstetem Kaffee, sodass Julius Meinl II. 1939 europaweit mehr als 1.000 Filialen hatte, in denen auch andere Lebensmittel von überdurchschnittlicher Qualität verkauft wurden. Julius Meinl AG führte schon 1907 Sonntagsruhe und 1931 die 5-Tage-Woche mit 43 Wochenstunden ein.
Der Laden hier war noch bis vor fünf Jahren eine Dreherwerkstatt. Heute sind oben die Büroräume der Kaffeevertretung und unten kann man den Kaffee genießen. Eine Art "Showroom", sagt Mustafa. Man kann durchaus behaupten, daß Karabatak Pionier bei der Gentrifizierung von Karaköy war. Das Publikum ist jung, kunst- und kulturbewußt. Viele Expats und Austauschstudenten treffen sich gerne hier.

Die Innendekoration ist sehr eigenwillig. Nach guten, alten Wiener Sitten hängen Zeitschriften an der Wand. Stereotypisierende Objekte wie Fez bilden den Randschmuck des Ladens.
Na, einmal Orientalismus, immer Orientalismus. Meinl-Mohr spricht doch für sich.









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