Das Yıldız-Palast-Ensemble:
- Thomas Weiberg

- 15. Okt. 2018
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 6 Tagen
Şale-Kasrı - ein Schloß für den deutschen Kaiser - Teil III
Nach dem Ende der Monarchie im Jahr 1923 hatte das Şale Kasrı ein wechselvolles Schicksal, es war zunächst für einige Jahre ein Spielcasino (Spielbetrieb im Festsaal) und Tanzpalast, verpachtet an den Italiener Mario Serra, in dem sich die Schönen und Reichen der neuen Ära amüsierten.
Ab 1956 wurden für etwa zwanzig Jahre Staatsgäste bei ihren Istanbulbesuchen dort untergebracht — Charles de Gaulle, der französische Staatspräsident, war hier ebenso zu Gast, wie der äthiopische Kaiser Haile Selassie, König Faisal von Arabien, der iranische Schah Reza Pahlavi, der sowjetische Ministerpräsident Alexej Nikolajewitsch Kossygin und zahlreiche andere Politiker.
Seit dem Sommer 1985 ist das Şale Kasrı als Museum zugänglich. Zunächst wurde es mit Möbelstücken aus verschiedenen Istanbuler Schlössern ausgestattet, ohne die historischen zusammenhänge zu berücksichtigen. 2009 fand im Şale Kasrı dann die Ausstellung »İKİ DOST HÜKÜMDAR SULTAN II. ABDÜLHAMİD VE KAISER II. WILHELM« statt. Sie war ein sehr interessantes türkisch-deutsches Projekt und stand unter der Schirmherrschaft der Parlamentspräsidenten aus der Türkei und Deutschland. anläßlich dieser Ausstellung kehrten viele originale Stücke in die Räume zurück, so daß der Besucher, zusätzlich unterstützt durch viele historische Photographien, heute einen guten Eindruck gewinnt, wie das Schloß etwa 1898 während des zweiten Kaiserbesuches ausgesehen hat.
Insgesamt verfügt das Schloß über gut sechzig Räume, drei Treppenhäuser, zwei Hamams und mehrere ›europäische« Badezimmer‹. Die üppigen Dekorationen der Wohn- und Empfangsräume, der Treppenhäuser und Korridore präsentieren sich weitgehend im Geschmack des späten 19. Jahrhunderts, orientiert am Stil des zweiten französischen Kaiserreiches.
Doch spielte Sarkis Beylan auch im Şale Kasrı (ebenso wie in den Schlössern Beylerbeyi und Küçüksu) an einigen Stellen gekonnt mit orientalischen Stilformen, was zu überraschenden Eindrücken führt. So wurde der Speisesaal in arabisch-osmanischen Formen dekoriert, die Wände schmücken große Tafeln mit Holzschnitzereien und schimmernden Perlmutteinlegearbeiten, die Türen (die 1898 aus dem Çırağan- Palast hierher versetzt wurden und daher die Brandkatastrophe dieses prunkvollen Schlosses im Jahr 1910 überstanden) sind ebenso gestaltet — und auch das übrige Mobiliar paßt sich dem an. Die Stühle sind mit Perlmutteinlagen geschmückt, die in kufischer Schrift den Namen Sultan Abdül Hamids II. zeigen. Der Padischah war ein begabter Möbeltischler, und so fertigte er zusammen mit einer Gruppe von Handwerkern in seiner privaten Tischlerwerkstatt im Yıldız-Palast (seine mit Monogrammen versehen Werkzeuge und seine Tischlerbank werden heute im Yıldız-Palast ausgestellt) nicht nur diese Möbelstücke für den Speisesaal an.
Ansonsten diente dem Sultan das Şale-Schloß auch dazu, seine fürstlichen Gäste mit erlesenen Produkten aus osmanischer Produktion zu beeindrucken — die Raumtextilien stammten größtenteils aus der Kaiserlichen Textilfabrik in Hereke, viele der Porzellane (Vasen, Lampen, Schalen, Mokkatassen) wurden in der Kaiserlichen Porzellanmanufaktur im Yıldız-Park hergestellt, die Silberarbeiten fertigten oftmals die Silberschmiede des osmanischen Hofes an.
Für alle Freundinnen und Freunde , die nun neugierig geworden sind und das Schloß besichtigen wollen hier die Adresse: Şale Kasrı; Yıldız Parkı İçi Beşiktaş; Das Museum ist mittwochs bis sonntags zwischen 9 Uhr und 17 Uhr geöffnet. Weitere Informationen in mehreren Sprachen finden sich auf der Seite der Verwaltung der staatlichen türkischen Schlösser.








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