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Das Yıldız-Palast-Ensemble:

  • Autorenbild: Thomas Weiberg
    Thomas Weiberg
  • 12. Okt. 2018
  • 3 Min. Lesezeit

Şale-Kasrı - ein Schloß für den deutschen Kaiser - Teil II


Dem Geschmack der Zeit entsprechend waren die Räume mehr als reich ausgestattet — Parkettböden, Deckengemälde und -stuckaturen gehörten zum Standard, schwere Möbel im »deutschen« Neo-Renaissance-Stil, zahlreiche Sofas, Tischchen, vergoldete Stühle und Sessel, üppige Vorhänge und Gardinen, große Grünpflanzen und Blumenarrangements sollten eine wohnliche Atmosphäre erzeugen. Den Hofphotographen aus dem Atelier Abdullah Frères war es gestattet worden, das Appartement des Kaiserpaares zu photographieren, und deutsche Zeitschriften benutzten diese Bilder, um ihre Leser genauestens über die geschmackvollen Interieurs im Şale Kasrı zu unterrichten.

Abdül Hamid II. hatte eigens eine Kommission berufen, um den Staatsbesuch akribisch zu organisieren, den Gästen sollte es auf Wunsch des Padischahs an nichts fehlen: Am Morgen sollten dem Kaiser und der Kaiserin Milchkaffee sowie Schokolade, Butter, Eier und kaltes Fleisch serviert werden; stets vier Diener hatten im Speisezimmer anwesend zu sein. Die Mahlzeiten, die das Herrscherpaar mit seiner Entourage allein – ohne den Sultan – im Şale Kasrı einnahm, sollten alla franca (also nach europäischer Art) zubereitet werden, auf Wunsch wurden jedoch auch alla turca (nach türkischer Art) bereitete Speisen serviert. Abends sollten sich Musiker des Hoforchesters neben einem Saz-Ensemble zur Unterhaltung der Gäste zur Verfügung halten. Drei Butler standen stets bereit, um die Wünsche des Herrscherpaares entgegen zu nehmen. Außerdem waren täglich die Zeiten, zu denen gespeist werden sollte, zu erfragen.

Als das deutsche Kaiserpaar im Herbst 1898 Sultan Abdül Hamid II. zum zweiten Mal besuchte, wurde das Şale-Schloß nochmals erweitert. Der italienische Baumeister Raimondo d’Aronco fügte das repräsentative Marmortreppenhaus, weitere Salons sowie einen neuen Festsaal hinzu. Dieser Festsaal ist der größte Raum im Schloß, sein Parkettboden wird von einem über 400 Quadratmeter großen Teppich aus der renommierten Kaiserlichen Textilfabrik in Hereke bedeckt.

Die Berliner Firma Siemens & Halske stattete das Schloß bereits 1898 mit moderner elektrischer Beleuchtung aus (das Neue Palais in Potsdam, die Hauptresidenz des Kaiserpaares wurde dagegen erst 1916, also mitten im Ersten Weltkrieg, elektrifiziert). Die eleganten Neo-Rokoko-Kachelöfen stammen von der Stockholmer Firma Rörstrand, die seit dem späten 18. Jahrhundert zu den führenden Produzenten solcher Öfen gehörte. Viele der Kronleuchter und Kandelaber haben einen Behang aus böhmischem Kristall.

Der aus Italien stammende Hofmaler Fausto Zonaro beschrieb in seinen Memoiren die Vorbereitungen zu diesem Besuch recht amüsant und anschaulich. Zonaro wurde beauftragt, die Gemälde für die von Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Victoria bewohnten Räume im Şale Kasrı auszuwählen und gegebenenfalls vorher zu restaurieren: »Das Löwenbild von Gèrôme auf pechschwarzem Hintergrund; unmöglich konnte es im Empfangssalon der Kaiserin hängen, da half auch nicht, daß es ein Gèrôme war. An seine Stelle ließ ich das von mir gemalte Bild ›Spaziergang des deutschen Kaisers und der Kaiserin am Bosporus‹ aufhängen. Eines Morgens sehe ich, daß einige Gemälde abgenommen und gegen die Wand gelehnt wurden. [...] Also ließ ich sie wieder an ihren Platz hängen. Als sie am nächsten Tag wieder abgehängt sind, kommen mir erste Zweifel. Der Oberzeremonienmeister Münir Bey erklärt mir, daß der Erhabene des Nachts einige Gemälde hat abhängen lassen. Nicht daß die Bilder dem Sultan nicht gefallen hätten, aber der Gast sei schließlich der deutsche Kaiser, zu viele Ayvazowskis an der Wand, das sei nicht schön.«

Im Oktober 1917, bei seinem dritten Staatsbesuch im Osmanischen Reich, bewohnte Kaiser Wilhelm II. wieder »sein« Schloß. Auf einer der Terrassen entstand die berühmte Photographie des Kaisers in der Uniform eines osmanischen Paschas.


Fortsetzung folgt.



 
 
 

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