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Olivenöl

  • Autorenbild: Halûk Uluhan
    Halûk Uluhan
  • 12. Nov. 2016
  • 3 Min. Lesezeit

Das flüssige Gold

Der Spätherbst ist die Zeit der Olivenernte und der Olivenölherstellung. Wenn man dieser Tage in bestimmten Regionen der Türkei unterwegs ist, trifft man Menschen bei der Olivenernte. Diese Regionen sind am Südufer des Marmarameeres, an der ganzen Westküste und in Teilen der Südküste - eher um Antakya herum.


Aquarell von İsmet Değirmenci.

Es gibt Ölbäume, die das Römische Reich überlebt haben. Er ist ein weiser, geduldiger Baum.


An der Erntemethode hat sich seit Jahrtausenden nichts geändert. Die manuelle Ernte ist sehr zeit- und personalintensiv und stellt somit einen wesentlichen Kostenfaktor bei der Produktion eines Olivenöles dar. Bei dieser traditionellen Methode werden unter den Bäumen Netze ausgebreitet und die Oliven durch weiche Stockschläge, Einsatz von Kämmen etc. von den Zweigen getrennt. Noch aufwändiger ist das Abpflücken per Hand, was hauptsächlich von kleinen Betrieben praktiziert wird, die die Oliven nicht beschädigen und sorgfältig selektieren wollen, um sehr hochwertige Öle zu erzeugen. Die mechanisierte Ernte geschieht durch Rüttelmaschinen, die jedoch nur in Olivenhainen eingesetzt werden können, die durch ihre topografische Lage, Baumdichte und Baumschnitt für diesen Einsatz geeignet sind. In der Türkei kommt die mechanisierte Ernte kaum vor, da die Hänge und die Baumdichte der Haine das nicht zulassen.


Der Ölbaum ist typisch für den Mittelmeerraum. Seine Urheimat ist Palästina.

Die grossen Olivenölproduzenten der Welt sind dann natürlich die Mittelmeerländer.


So ein wichtiger Baum muss auch einen Ehrenplatz in der griechischen Mythologie haben:

“Eines Tages entbrennt zwischen dem Meeresgott Poseidon und Athene, der Göttin der Weisheit, ein heftiger Streit, beide beanspruchen die Herrschaft über Attika. Schließlich muss Zeus einschreiten. Mit großer Weisheit schlägt er einen Wettkampf vor. Wer dem attischen Volk das wertvollste und unvergänglichste Geschenk macht, der soll über Attika herrschen. Nahe einem Felsen, auf dem später die Akropolis gebaut wurde, wird der Wettkampf ausgetragen. Poseidon erscheint mit seinem machtvollen Dreizack in der Hand, mit dem er die wildesten Stürme der Meere entfachen kann. Mit großem Getöse und Geschrei nimmt er Anlauf und stößt seinen Dreizack in den Felsen. Sofort entspringt eine Salzwasserquelle aus dem Felsen. Voller Stolz verweist Poseidon auf das sprudelnde Wasser. Mit einem weisen Lächeln auf den Lippen schreiet nun Athene langsam neben den Felsen. Sanft drückt sie ihren Speer mit seinem hölzernen Schaft in den Boden. Auf wundersame Weise sprießen plötzlich Äste und auch Blätter aus dem Holz. Vor aller Augen wächst ein Olivenbaum, der schließlich reichlich reife Früchte trägt. Der große Nutzen der ölhaltigen Früchte ist unverkennbar und Athene gewinnt schließlich den Wettkampf. In besonderer Dankbarkeit für dieses Geschenk benennen die Bewohner der Hauptstadt Attikas ihre Stadt nach der Göttin Athene.

Das Olivenöl hat für die Griechen eine überaus große Rolle gespielt. Das Licht aus vielen Öllampen war ein besonderer Luxus. Das Öl war nicht nur eine vorzügliche Speise, es wurden auch die Körper der Götter, Menschen und sogar Statuen damit gesalbt. Als Symbol ihrer göttlichen Würde und Autorität wurden hohe Würdenträger bei ihrer Amtseinführung mit Olivenöl gesalbt, meist mit Balsam versetzt. Hera selbst salbt sich mit Olivenöl, wenn sie Zeus verführen will, was der kosmetischen noch eine aphrodisierende Wirkung hinzufügt.

In Erinnerung an das göttliche Geschenk wurden Olivenbäume neben den Tempeln der Athene gepflanzt. Das Fällen von Olivenbäumen war mit einem Tabu belegt, das nur gebrochen werden durfte, um aus dem Holz Götterstatuen zu schnitzen.

Neben der Eule ist der Olivenzweig das Symbol der Athene und ihrer Stadt Athen, als Zeichen für Sieg und Frieden.“ *

Siegen muss man nicht mehr, aber Frieden braucht die Urheimat des Ölbaumes!

*) aus: Lundt, Holger: "Im Garten der Nymphen - Kleine Mythologie der Pflanzen". Patmos-Verlag, Düsseldorf, 2006.

 
 
 

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