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Verbindungsstelle der Bundesanstalt für Arbeit

  • Autorenbild: Halûk Uluhan
    Halûk Uluhan
  • 26. Jan. 2015
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 6 Tagen

Zum unbekannten Gastarbeiter

In diesem unscheinbaren Amtsgebäude hat alles angefangen. Die Arbeitsmigration der Türken nach Deutschland vor über einem halben Jahrhundert. Ist es Schicksal, dass das Haus heute mit EU-Mitteln erneuert/saniert wurde?


Der Krieg war vorbei. Deutschland musste sich wieder herstellen, wie Phönix aus der Asche. Es fehlten in vielen Bereichen die Arbeitskräfte, vor allem in den einfacheren Ebenen. Männer der Geburtenjahrgänge 1920-25 waren meistens im Krieg gefallen, die älteren waren zu alt oder Invalide. Man brauchte für niedere Arbeiten Menschen, die dankbar dafür waren, dass sie diese Arbeit für einen Niedriglohn leisten durften.


Am 30.10.1961 wurde das Anwerbeabkommen zwischen der BRD und der Türkei unterzeichnet. In Bonn waren Ludwig Erhard Wirtschaftsminister und Theodor Blank der Minister für Arbeit. Wir schreiben die Ära der III. und IV. Adenauer-Regierungen.


Die damalige türkische Regierung konnte aufatmen. Es gab keine großartige Industrie hier im Lande. Und die Fremdarbeiter könnten ja auch Devisen in die Staatskasse einbringen. Es sah aus wie eine Win-Win-Situation.


Arbeitgeber des produzierenden Gewerbes in der BRD, organisiert in der BDI, meldeten ihren Arbeiterbedarf als „Anforderungen“ über eine deutsche Verbindungsstelle in Istanbul an die Auslandsabteilung der türkischen Anstalt für Arbeit İİBK (İş ve İşçi Bulma Kurumu, heute İşkur), die ihrerseits wiederum eine vorselektierte Auswahl an Arbeitern an die deutsche Verbindungsstelle zur weiteren Prüfung entsandte.


Bewerber unterlagen bei ihrer Registrierung bestimmten Altersgrenzen, wenn nicht ein offensichtlich schlechter Gesundheitszustand sie schon von vornherein von der Vermittlung ausschloss. Qualifizierte Kräfte durften höchstens 40 Jahre alt sein, Frauen 45, Bergmänner 35. Für unqualifizierte Kräfte war das 30. Lebensjahr die Grenze. Insgesamt bewarben sich so zwischen 1961 und 1973 über 2,6 Millionen Menschen um einen Arbeitsplatz in der BRD. Wer von der İİBK für die Vorstellung bei der deutschen Verbindungsstelle in Istanbul ausgewählt worden war, musste dort noch zwei Abteilungen und fünfzehn Prüfungen der deutschen Behörde durchlaufen. Nach dem erfolgreichen Absolvieren der ersten Verbindungsstellenabteilung folgte eine umfangreiche Gesundheitsprüfung.


Ich kann mich an das Bild der frisch rasierten, gut gekleideten, jungen anatolischen Männer erinnern, wie sie in dem benachbarten Park nächtigten. Voller Aufregung und auf ihren Holzkoffern hockend. Im Morgengrauen machten sie sich zu Fuß auf den Weg über die Galata-Brücke zum Bahnhof Sirkeci, um dort den Sonderzug nach dem viel gepriesenen "Almanya" zu nehmen.


Keiner wusste, was daraus wird.


Am Anfang waren es junge, ledige Kerle, die in werkseigenen Heimen in Etagenbetten schliefen und sich in Gemeinschaftsbädern wuschen. Sie sollten ja nur provisorisch für zwei Jahre dort leben. Dann sollten andere sie ablösen. Das Rotationsprinzip ging eine Zeit lang gut, bis sich der BDI meldete: "Das ist nicht lukrativ!"


Also holte man sie für eine längere Dauer. Dann folgten die Familien.


1973 war die Ölkrise, Helmut Schmidt verordnete den Anwerbestopp. Der WDR veranstaltete im selben Jahr ein Preisausschreiben, um einen Begriff für diese Menschen zu finden, da ja alles, was existiert, auch einen Namen haben muss. Unter den Einsendungen war "Gastarbeiter" der Gewinner, eine Wortschöpfung, die im Fach Soziologie in alle Weltsprachen einging.


1973 herrschte in der Türkei ein kurzer - und einmaliger - linksliberaler Wind. Dieser Park bekam ein Denkmal: "Der Arbeiter", ein Werk des Bildhauers Muzaffer Ertoran (1922-2000). Die Plastik war natürlich dem Geiste des Kalten Krieges entsprechend pathetisch und ganz im Sinne des sozialistischen Realismus. Kunst ist Kunst. Aber öffentliche Kunst war in der Türkei schon immer schwierig. Der bigotte Vandalismus wütete auch in diesem Park. "Der Arbeiter" wurde Stück für Stück verstümmelt.


Doch, dafür gibt es ein Denkmal des unbekannten Gastarbeiters: jenes unscheinbare Gebäude des türkischen Arbeitsamtes...




 
 
 

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