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Der letzte Istanbuler

  • Autorenbild: Halûk Uluhan
    Halûk Uluhan
  • 29. Juli 2015
  • 2 Min. Lesezeit

Abschied von Panayot Abacı

Heute hat sich Istanbul von einem seiner großartigen Söhne verabschiedet: Panayot (Panagiotis) Abacı. Er wurde 1923 in Galata geboren, im selben Jahr der Republik also. Sein Großvater zog schon mit dem Völkeraustausch nach Griechenland, trat der Kommunistischen Partei ein und kämpfte später mit den Partisanen gegen die deutschen Besatzer. Er wurde von den Nazis an die Wand gestellt und erschossen. Panayot war damals noch ein Jugendlicher.


Panayot studierte Philosophie an der Universität Istanbul, und nebenbei absolvierte er das Konservatorium: Viola - zu Deutsch: Bratsche! Eigentlich war er ein geborener Musiker. Während seines Studiums fing er schon an, im städtischen Orchester zu spielen. Seine Streichinstrumentenkarierre setzte er in diversen Philharmonien fort. Als er die griechsiche Literatur-Zeitschrift Pirsos herausbrachte, lernte er seine Frau Sultana kennen. Sultana machte Übersetzungen für Pirsos. Nach 66 Ausgaben (1954 -1963) hat er Pirsos eingestellt. Es war kein Grieche mehr als Leser da.

Die Zeitschrift "Orkestra" über klassische Musik hat er unermüdlich bis zu seinem Tode herausgebracht. Orkestra ist wirklich die am Stück am längsten währende Zeitschrift der Türkei - 46 Jahre.

Panayot wurde 1981 vom Orchester der Staatlichen Oper ins Rentnerleben verabschiedet. Nichts für ihn! Er organisierte mehrere Musikfestspiele. Als Kulturvermittler hat er Literatur übersetzt: Türkische Autoren wie Aziz Nesin, Yaşar Kemal und Orhan Pamuk ins Griechische und Griechen wie Iakovos Kambanellis ins Türkische. Seine Übersetzungen brachten ihm mehrere Preise. Der vielseitige Intellektuelle war überzeugter Sozialist und Istanbul-Liebhaber. Mehr als zehn Tage konnte er nicht wegbleiben von seiner geliebten Stadt. Sein griechischer Hintergrund hat ihn nicht nach Griechenland gezogen. Er war ein Istanbuler durch und durch - mit zwei Muttersprachen.

Möglicherweise der letzte Istanbuler wurde heute von der griechisch-orthodoxen Kirche "Hagia Stratis Taxiarchis" in Arnavutköy am Bosporus verabschiedet - trotz Urlaubszeit, trotz Hitze.

Istanbul trauert um seinen Sohn.

 
 
 

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