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Christentum - so ursprünglich wie noch nie!

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Die orientalischen Kirchen

Die unbekannten Ostkirchen stellen sich vor...

9 Tage 8 Nächte

Juni, September

Im Südosten Anatoliens begegnen wir einer christlichen Welt, die im Westen bis heute kaum bekannt ist. Syrisch-orthodoxe, armenische, chaldäische und assyrische Traditionen bewahren hier uralte Liturgien, Sprachen und Glaubensformen, deren Wurzeln bis in die Frühzeit des Christentums zurückreichen. Unsere Reise führt zu jahrhundertealten Kirchen, abgelegenen Klöstern und Gemeinden, die trotz Verfolgung, Vertreibung und Auswanderung ihre religiöse Identität bewahrt haben. Dabei lernen wir nicht nur unterschiedliche Konfessionen kennen, sondern entdecken ein vielstimmiges christliches Erbe, das die Kultur Mesopotamiens und Anatoliens bis heute prägt.

1. Tag - Ankunft in Diyarbakır - Amida, Stadt aus schwarzem Basalt
Ankunft am Flughafen Diyarbakır und Empfang durch Ihre deutschsprachige Reiseleitung. Je nach Flugzeit unternehmen Sie einen ersten Spaziergang durch die von mächtigen Basaltmauern umgebene Altstadt. Von einem Aussichtspunkt blicken Sie über die Hevsel-Gärten und den Tigris – jene Lebensader, die Kulturen, Religionen und Reiche Obermesopotamiens miteinander verband.
Eine Einführung am Abend stimmt auf die zentralen Fragen der Reise ein: Was unterscheidet die west- von der ostsyrischen Tradition? Wer sind die Chaldäer? Warum ist die Kirche des Ostens nicht einfach mit dem häufig verwendeten Begriff „nestorianisch“ gleichzusetzen? Und welche Rolle spielte das klassische Syrisch, eine Form des Aramäischen, als Liturgie-, Bildungs- und Gelehrtensprache des christlichen Orients?
Abendessen und Übernachtung: Diyarbakır.
2. Tag - Die Kirchen von Diyarbakır - Drei Traditionen in einer Stadt
Der Tag beginnt in der historischen Altstadt mit der Meryem-Ana-Kirche, dem geistlichen Zentrum der syrisch-orthodoxen Gemeinde von Diyarbakır. Ihre schlichte, über Jahrhunderte gewachsene Architektur vermittelt einen ersten Eindruck von der westsyrischen Liturgie und von einer Gemeinde, deren Geschichte weit über die heute sichtbaren Bauteile hinausreicht.
Nur wenige Schritte entfernt liegt die große armenisch-apostolische Surp-Giragos-Kirche. Mit ihren sieben Altären und ihrem weiten Innenraum erinnert sie an die einst bedeutende armenische Bevölkerung Amidas. Die benachbarte Mar-Petyun-Kirche gehört dagegen zur chaldäisch-katholischen Tradition: Ihre Liturgie ist ostsyrisch, ihre Kirche steht jedoch in Gemeinschaft mit Rom. Gerade die räumliche Nähe dieser Gotteshäuser macht die konfessionelle Vielfalt des orientalischen Christentums besonders anschaulich.
Ergänzend besuchen Sie – soweit zugänglich – die alte Georgskirche im Bereich von İçkale. Danach bleibt Zeit für die Große Moschee, die Gassen der Altstadt und eine Mittagspause. Am Nachmittag fahren Sie durch die weite Landschaft Obermesopotamiens nach Mardin. Schon von weitem erscheint die aus hellem Kalkstein erbaute Stadt wie eine mächtige Terrasse über der mesopotamischen Ebene.
Abendessen und Übernachtung: Mardin. (ca. 95 km)
3. Tag - Mardin - Metropole des westsyrischen Christentums
Mardin war über Jahrhunderte ein bedeutendes Zentrum syrisch-orthodoxer und syrisch-katholischer Kultur. Kirchen, Klöster, Moscheen, Medresen und Patrizierhäuser bilden hier keine voneinander getrennten Welten, sondern ein dichtes städtisches Geflecht.
Der Rundgang beginnt an der Mor-Behnam-Kirche, die meist Kırklar Kilisesi, Kirche der Vierzig Märtyrer, genannt wird. Das bis heute genutzte Gotteshaus gehört zu den wichtigsten Zentren der syrisch-orthodoxen Gemeinde. Anschließend besuchen Sie die Meryem-Ana-Kirche und den Gebäudekomplex des ehemaligen syrisch-katholischen Patriarchats, der heute das Mardin-Museum beherbergt. Hier lässt sich besonders gut erklären, weshalb „syrisch-orthodox“ und „syrisch-katholisch“ zwar dieselbe westsyrische Liturgietradition teilen, kirchenrechtlich jedoch unterschiedlichen Gemeinschaften angehören.
Am Nachmittag fahren Sie zum vor den Toren der Stadt gelegenen Kloster Deyrulzafaran. Der auf älteren Baustrukturen errichtete und über viele Jahrhunderte erweiterte Komplex war vom späten Mittelalter bis in das 20. Jahrhundert hinein Sitz der syrisch-orthodoxen Patriarchen. Kirchen, Kapellen, Grabräume und die ehemalige Klosterdruckerei erzählen von der geistlichen, politischen und kulturellen Bedeutung dieses Ortes. Von den Terrassen öffnet sich ein weiter Blick über die Ebene bis zur syrischen Grenze.
Abendessen und Übernachtung: Mardin.
4. Tag - Hah und Midyat - Die Muttergotteskirche im Tur Abdin
Nach dem Frühstück verlassen Sie Mardin und fahren in den Tur Abdin, den „Berg der Knechte Gottes“. Die erste große Station ist Hah, das heutige Anıtlı. Das Dorf gehört zu den ältesten religiösen Zentren der Region und bewahrt zwei außergewöhnliche Zeugnisse syrischer Sakralarchitektur: die Ruinen der monumentalen Mor-Sobo-Kathedrale und die noch genutzte Muttergotteskirche Yoldath Aloho.
Nach örtlicher Überlieferung wurde das erste Heiligtum an dieser Stelle von den Weisen aus dem Morgenland gegründet. Die heutige Architektur entstand jedoch in spätantiker und frühbyzantinischer Zeit und wurde später mehrfach verändert. Gerade das Nebeneinander von Legende, liturgischem Gedächtnis und historischer Bauforschung macht Hah zu einem idealen Ort für eine Studienreise. Der zentrale Kuppelraum und die feine Steinmetzarbeit der Kirche gehören zu den ungewöhnlichsten architektonischen Schöpfungen des Tur Abdin.
Am Nachmittag fahren Sie weiter nach Midyat. Ein Spaziergang führt durch die von honigfarbenem Kalkstein geprägten Gassen der Altstadt, vorbei an Herrenhäusern, Kirchen und kunstvoll verzierten Fassaden. Soweit es die Besuchszeiten erlauben, besichtigen Sie das Kloster Mor Hobil und Mor Abrohom oder eine der alten Stadtkirchen.
Abendessen und Übernachtung: Midyat. (ca. 150 km)
5. Tag - Mor Gabriel und Mağaraköy - lebendiges Kloster, verlassenes Dorf
Der heutige Vormittag gehört dem Kloster Mor Gabriel, dessen Gründung auf das Jahr 397 zurückgeführt wird. Es ist eines der bedeutendsten geistlichen Zentren der syrisch-orthodoxen Kirche und bis heute Sitz des Metropoliten des Tur Abdin. Kirchen, Kapellen, Grabräume und kostbare Mosaikreste erzählen von mehr als eineinhalb Jahrtausenden klösterlichen Lebens.
Im Mittelpunkt stehen nicht nur Architektur und Kunst, sondern auch das Mönchtum, die syrische Liturgiesprache und die heutige Rolle des Klosters für die Gemeinden der Region und der europäischen Diaspora. Als lebendiger religiöser Ort wird Mor Gabriel mit besonderer Rücksicht auf Gottesdienste und das klösterliche Leben besucht.
Danach fahren Sie nach Mağaraköy, das auch unter dem Namen Kiwex bekannt ist. Das verwaltungsmäßig zu İdil gehörende alte jesidische Dorf wird von Midyat aus als Exkursion besucht. Seine steinernen Häuser, Höhlenräume und der restaurierte Friedhof erzählen von einer Religionsgemeinschaft, die in Europa noch immer wenig bekannt ist. Die Grundzüge der jesidischen Religion werden erläutert, ohne sie vorschnell als bloße Mischung anderer Religionen zu deuten. Zugleich geht es um Entvölkerung, Rückkehr und den schwierigen Erhalt des kulturellen Erbes.
Rückfahrt nach Midyat. Abendessen und Übernachtung: Midyat.
6. Tag - Nusaybin und Cizre - Von Nisibis nach Gazarta
Am Morgen fahren Sie nach Nusaybin, dem antiken Nisibis. Die Stadt lag über Jahrhunderte an der Grenze zwischen dem Römischen und dem Persischen Reich und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Bildungszentren des frühen orientalischen Christentums.
Sie besuchen die Mor-Yakup-Kirche mit dem erhaltenen Baptisterium des spätantiken Bischofskomplexes. Hier wirkten der heilige Jakob von Nisibis und sein berühmter Schüler Ephräm der Syrer, Theologe, Dichter und einer der großen Hymnenschöpfer der christlichen Welt. Die Schule von Nisibis verband Theologie mit Philosophie, Sprachen, Naturwissenschaften und Medizin und prägte die ostsyrische Gelehrsamkeit weit über Mesopotamien hinaus.
Unmittelbar benachbart liegt der Komplex der Zeynel-Abidin-Moschee. Kirche und Moschee bilden heute einen gemeinsamen Kultur- und Glaubenspark. Das räumliche Nebeneinander macht Nusaybin zu einem besonders anschaulichen Ort für die Geschichte religiöser Nachbarschaft und gemeinsam genutzter Stadträume.
Anschließend fahren Sie weiter nach Cizre am Tigris, dem historischen Gazarta. Ein erster Spaziergang am Fluss stimmt auf die Geschichte dieser alten Grenz- und Handelsstadt ein.
Abendessen und Übernachtung: Cizre. (ca. 190 km)
7. Tag - Cizre und der Sieg in das Hakkari-Gebirge
Cizre war einst Sitz eines chaldäischen Bistums und ein wichtiges Bindeglied zwischen den christlichen Gemeinden Mesopotamiens und den Bergtälern von Hakkâri. Von dieser christlichen Vergangenheit ist im heutigen Stadtbild nur wenig erhalten. Deshalb geht es hier nicht allein um sichtbare Bauwerke, sondern auch um historische Topografie, Erinnerung und die Frage, wie eine verschwundene Kulturlandschaft gelesen werden kann.
Sie besuchen die Rote Medrese mit den Gräbern von Mem und Zin, die Große Moschee und den Tigris. Auch die lokale Noah-Überlieferung wird thematisiert. Cizre zeigt besonders deutlich, dass die Geschichte der orientalischen Kirchen nicht isoliert von islamischer Gelehrsamkeit, kurdischer Literatur und den gemeinsamen Erzähltraditionen der Region verstanden werden kann.
Danach beginnt die lange, landschaftlich eindrucksvolle Fahrt in die zerklüftete Bergwelt von Hakkâri. Unterwegs verändert sich das Landschaftsbild grundlegend: Die Hochflächen Obermesopotamiens gehen in steile Gebirgstäler und schwer zugängliche Siedlungsräume über. Studienhalte und Erläuterungen führen in die Geschichte der ostsyrischen Bergchristen, ihrer Stammesorganisation und ihrer Beziehungen zu kurdischen Nachbarn und osmanischen Behörden ein.
Am Abend Vorbereitung auf den Besuch von Qudschanis: die Kirche des Ostens, das erbliche Patriarchat, westliche Missionare im 19. Jahrhundert und der Zusammenbruch dieser Welt während des Ersten Weltkrieges.
Abendessen und Übernachtung: Hakkâri. (ca. 330 km)
8. Tag - Qudschanis - Der verlassene Sitz der Patriarchen
Der Höhepunkt der Reise führt nach Qudschanis, auch Koçanis und heute Konak genannt. Das abgelegene Bergdorf war vom späten 17. Jahrhundert bis 1915 Sitz der Patriarchen der Kirche des Ostens. Von hier aus leitete die Familie der Mar-Schimun-Patriarchen eine Kirche, deren ältere Geschichte von Mesopotamien bis nach Indien und China reichte.
Im Mittelpunkt steht die schlichte Mar-Schalita-Kirche, einer der wenigen erhaltenen Bauten des alten Patriarchensitzes. Ihre zurückhaltende Architektur unterscheidet sich grundlegend von den reich geschmückten Kirchen des europäischen Christentums. Gerade diese Kargheit vermittelt etwas von der Liturgie und den Lebensbedingungen der ostsyrischen Bergchristen.
Zwischen den Ruinen des Dorfes beschäftigen Sie sich mit dem Verhältnis von Religion, Stammesgesellschaft und Landschaft sowie mit Flucht, Diaspora und Erinnerung. Qudschanis ist kein klassisches Besichtigungsziel, sondern ein stiller, schwer zugänglicher Geschichtsort. Der Besuch erfolgt nur nach vorheriger örtlicher Abstimmung und bei geeigneten Straßen- und Wetterverhältnissen.
Rückfahrt nach Hakkâri. Abendessen und Übernachtung: Hakkâri.
9. Tag - Abschied von Hakkari
Je nach Abflugzeit bleibt am Morgen Zeit für einen kurzen Rundgang oder ein abschließendes Reisegespräch. Fahrt zum Flughafen Hakkâri–Yüksekova und Rückflug.

Übernachtungen:
1 Nacht Diyarbakır
2 Nächte Mardin
2 Nächte Midyat
1 Nacht Cizre
2 Nächte Hakkâri


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