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CiCERONE TRAVEL
Hat Kara ben Nemsi wirklich gelebt?
Unterwegs mit Karl-May
Auf den Spuren des Phantasten Karl May
10 Tage 9 Nächte
Juni, September, Oktober
Karl Mays Orient war eine Welt der Pässe und Karawanenwege, der gefährlichen Grenzräume und überraschenden Begegnungen. Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar durchqueren in seinen Erzählungen eine Landschaft, die zwischen Mesopotamien, Kurdistan und dem Osmanischen Reich liegt. Doch Karl May selbst hat Hakkâri, den Tur ʿAbdin und die Städte dieser Route nie bereist. Seine Abenteuer entstanden aus Büchern, Karten, Reiseberichten und einer mächtigen literarischen Vorstellungskraft.
Diese Reise ist deshalb keine Rekonstruktion einer tatsächlich unternommenen Karl-May-Route. Sie führt vielmehr in jene reale Welt, aus der der Schriftsteller Motive, Namen und Konflikte bezog – und stellt seiner Sicht aus dem 19. Jahrhundert die heutige historische, archäologische und religiöse Forschung gegenüber. Im Mittelpunkt stehen die Bergwelt von Hakkâri, das Erbe der Kirche des Ostens, die syrisch-orthodoxe Kulturlandschaft des Tur Abdin, die Städte am Tigris, die neolithischen Fundorte um Şanlıurfa und schließlich das griechisch-persische Königtum von Kommagene.
Karl May begleitet uns dabei als literarische Stimme, nicht als historischer Gewährsmann. Aus seinen Werken werden ausschließlich nachweisbare Passagen gelesen. Zugleich fragen wir, wie der europäische Blick des 19. Jahrhunderts Völker, Religionen und Landschaften des Orients dargestellt hat – und was wir heute anders erzählen müssen.
1. Tag - Anreise in die Bergwelt von Hakkari
Flug von Deutschland über Istanbul oder Ankara zum Flughafen Hakkâri–Yüksekova Selahaddin Eyyubi. Der Flughafen liegt bei Yüksekova; von dort fahren wir durch das weite Hochland und entlang des Großen Zap nach Hakkâri.
Schon die Anreise macht die besondere Lage der Region sichtbar: Hier treffen die Südostausläufer des Taurus und die Gebirgszüge des Zagros aufeinander. Nach der Ankunft im Hotel beginnen wir mit einer Einführung in Karl Mays Orientzyklus. Welche Länder kannte er aus eigener Anschauung? Welche Reiseberichte und Karten benutzte er? Und warum wurde ausgerechnet das „wilde Kurdistan“ für Generationen deutscher Leser zu einer literarischen Landschaft? Dabei unterscheiden wir von Anfang an zwischen Romanwelt historischer Geografie und heutiger Lebenswirklichkeit.
Abendessen und Übernachtung: Hakkâri.
2. Tag - Qudschanis - Das verlorene Zentrum der Ostkirche
Mit geländegängigen Fahrzeugen fahren wir nach Konak, dem historischen Qudschanis. Das abgelegene Bergdorf war vom späten 17. Jahrhundert bis 1915 Sitz der Patriarchen der Kirche des Ostens. Deren Oberhaupt trug den Titel Katholikos-Patriarch Mar Schimun und vereinte in der schwer zugänglichen Stammesgesellschaft von Hakkâri geistliche Autorität mit politischen und vermittelnden Aufgaben.
Im Mittelpunkt unseres Besuchs steht die schlichte patriarchale Kirche Mar Schallita. Sie ist keine „Mar-Semûn-Kirche“; Mar Schimun bezeichnet den Patriarchentitel beziehungsweise die patriarchale Linie. Wir erinnern an den letzten in Qudschanis residierenden Patriarchen Mar Benyamin Schimun und an das Ende der christlichen Berggemeinden während des Ersten Weltkriegs. Im Kontext des Sayfo – der genozidalen Gewalt gegen assyrische, aramäische und syrische Christen – wurden die Bewohner Hakkâris 1915 zur Flucht in Richtung Urmia gezwungen. Krieg, Vertreibung und spätere Grenzziehungen verhinderten ihre dauerhafte Rückkehr.
Karl May bezeichnet die Angehörigen der Kirche des Ostens mit den damals verbreiteten Namen „Nestorianer“, „Nestorah“ oder „Chaldäer“. Diese Begriffe sind historisch erklärungsbedürftig und entsprechen nicht ohne Weiteres den heutigen kirchlichen und ethnischen Selbstbezeichnungen. Eine authentische Stelle aus „Durchs wilde Kurdistan“ macht diese Schwierigkeit selbst sichtbar:
„Wir sind keine Nestorah. So nennen uns nur unsere Feinde und Bedrücker. Wir sind Chaldäer.“
Der Satz wird nicht als moderne Definition verwendet, sondern als Ausgangspunkt für ein Gespräch über Fremdbezeichnungen, konfessionelle Geschichte und Identität.
Wenn Wetter, Straßenverhältnisse und örtliche Genehmigungen es erlauben, schließen wir den Tag mit einer Rast auf dem Berçelan-Plateau ab. Eine Begegnung mit saisonal anwesenden Hirtenfamilien kann sich ergeben, wird jedoch nicht als Programmpunkt versprochen.
Abendessen und Übernachtung: Hakkâri.
3. Tag - Vom Hochgebirge an den Tigris - Hakkari und Cizre
Eine lange, landschaftlich eindrucksvolle Fahrt führt aus der Bergwelt Hakkâris hinab in das obere Mesopotamien. Tiefe Täler, kahle Kalksteinzüge und der Große Zap bestimmen den ersten Teil des Tages. Die Strecke verläuft abschnittsweise durch sensible Grenzregionen; Pausen und Fotostopps richten sich daher ausschließlich nach den aktuellen behördlichen Vorgaben.
Am Nachmittag erreichen wir Cizre am Tigris. Das mittelalterliche Ǧazīrat Ibn ʿUmar verdankte seinen Namen und seine Bedeutung der Lage an einem Flussarm beziehungsweise auf einer vom Tigris umschlossenen „Insel“. Die Stadt war ein wichtiger Übergang zwischen Mesopotamien, dem Bohtan-Gebiet und den Gebirgswegen nach Norden.
Ein erster Rundgang führt zum Fluss und in die historische Stadt. Dabei wird auch deutlich, dass Karl Mays „Dschesireh“ gewöhnlich die weite Landschaft zwischen Euphrat und Tigris bezeichnet und nicht mit einer detaillierten Beschreibung der heutigen Stadt Cizre gleichgesetzt werden darf.
Abendessen und Übernachtung: Cizre.
4. Tag - Cizre, Bsorino und das Kloster Mor Gabriel
Am Morgen widmen wir uns den wichtigsten Zeugnissen von Cizre. Wir besuchen die Große Moschee, die Kırmızı Medrese und die Abdaliye-Medrese mit dem Erinnerungsort an Mem û Zîn, das berühmte Liebespaar aus dem Werk des kurdischen Dichters Ehmedê Xanî. Das Grab des Propheten Noah wird ausdrücklich als lokaler religiöser Überlieferungsort vorgestellt, nicht als archäologisch gesichertes Grab. Die Festungsanlage Bırca Belek und die an ihrer südöstlichen Ecke errichtete Hamidiye-Kaserne werden einbezogen, sofern Restaurierungsstand und Zugang dies zulassen. Die im Ausgangstext genannten Behauptungen über einen zoroastrischen Feuertempel und ein „Löwentor“ werden mangels belastbarer Nachweise nicht übernommen.
Anschließend fahren wir nach Haberli, syrisch Beth Sbirino beziehungsweise Bsorino – „Haus der Hoffnung“. Das Dorf war für seine Kirchen, Handschriften und Gelehrten bekannt und wurde in der Überlieferung als rīšo d-dīno, als „Haupt des Glaubens“, bezeichnet. Nach vorheriger Abstimmung mit der Gemeinde besuchen wir die Kirche Mor Dodo und erhalten Einblick in das heutige Leben eines der wenigen noch christlich geprägten Dörfer der Region. Die im Ausgangstext Karl May zugeschriebene ausführliche Beschreibung Bsorinos ist nicht nachweisbar und entfällt.
Der geistliche Höhepunkt des Tages ist das syrisch-orthodoxe Kloster Mor Gabriel. Es wurde der klösterlichen Überlieferung zufolge 397 von Mor Schmuel und seinem Schüler Mor Schemun gegründet und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten religiösen und kulturellen Zentren des Tur ʿAbdin. Das bis heute bewohnte Kloster bewahrt Liturgie, Architektur und Handschriftentradition des syrischen Christentums. Starre Angaben zur heutigen Zahl der Mönche, Nonnen oder Schüler werden vermieden, da sie sich verändern können.
Am späten Nachmittag erreichen wir Midyat. Zwischen hellen Kalksteinhäusern, Kirchtürmen, Höfen und engen Gassen lernen wir die besondere Architektur der Stadt kennen. Ein Besuch bei Telkari-Handwerkern führt in die Kunst des Silberfiligrans ein.
Abendessen und Übernachtung: Midyat.
5. Tag - Hah, Deyrulzafaran und Mardin - Das christliche Erbe des Tur Abdin
Unsere erste Station ist Anıtlı, das historische Hah. Die Marienkirche Yoldath Aloho gehört zu den außergewöhnlichsten Sakralbauten des Tur ʿAbdin. Ihre Baugeschichte reicht in die Spätantike und das frühe Mittelalter zurück; einzelne Bauteile und der reiche Bauschmuck werden unterschiedlichen Phasen zwischen dem 5./6. und dem 8. Jahrhundert zugeordnet. Die Erzählung, die Heiligen Drei Könige hätten auf ihrer Rückreise aus Bethlehem hier eine Kirche gegründet, gehört zur ehrwürdigen lokalen Tradition. Sie ist jedoch kein Beleg für einen Kirchenbau des 1. Jahrhunderts. Auch die Behauptung, es handle sich zweifelsfrei um das weltweit erste Marienheiligtum, wird nicht übernommen.
Über Midyat fahren wir zum Kloster Deyrulzafaran vor den Toren Mardins. Der „Safrankloster“ genannte Komplex war von 1293 bis 1932, also annähernd 640 Jahre lang, Residenz der syrisch-orthodoxen Patriarchen von Antiochien.
Damit ist die im Ausgangstext offen gebliebene Frage geklärt: Nicht 630 Jahre und auch nicht seit 1160 ohne Unterbrechung, sondern rund 640 Jahre ab 1293 ist die historisch belastbare Angabe.
Am Nachmittag erreichen wir Mardin. Terrassenartig zieht sich die Altstadt am Hang über der mesopotamischen Ebene entlang. Beim ersten Spaziergang begegnen uns Portale, Innenhöfe, Medresen und Kaufmannshäuser aus hellem Kalkstein. Die Stadt wird dabei nicht als zeitloses Märchenbild inszeniert, sondern als vielschichtiger Lebensraum von Arabern, Kurden, Türken, syrischen Christen und anderen Gemeinschaften.
Abendessen und Übernachtung: Mardin.
6. Tag - Von Mardin zu Karahantepe und in die Stadt Abrahams
Am Morgen setzen wir unseren Rundgang durch Mardin fort. Wir besuchen die Kirche Mor Behnam und Saro, die heute als Kırklar Kilisesi – Kirche der Vierzig Märtyrer – bekannt ist. Der Bau stammt aus der Mitte des 6. Jahrhunderts. Die Namen Mor Behnam, Saro und die Vierzig Märtyrer gehören zur christlichen Hagiografie; ihre Erzählungen dürfen nicht wie lückenlos belegte Biografien wiedergegeben werden. Seit Mardin 1293 zum Zentrum des syrisch-orthodoxen Patriarchats wurde, erfüllte die Kirche wichtige geistliche und administrative Aufgaben.
Über Kızıltepe und Viranşehir fahren wir anschließend nach Karahantepe. Die seit 2019 systematisch untersuchte Fundstätte gehört zum Verbund der „Taş Tepeler“ in der Region Şanlıurfa. Aus dem Fels gearbeitete Räume, T -förmige Pfeiler und eindrucksvolle Menschen- und Tierdarstellungen geben Einblick in die Welt des präkeramischen Neolithikums. Da die Ausgrabungen andauern, bleiben Datierungen und Deutungen im Fluss. Karahantepe wird daher nicht als endgültiger Beweis einer einzelnen Ursprungsthese präsentiert, sondern als Teil einer ganzen neolithischen Kulturlandschaft.
Am späten Nachmittag erreichen wir Şanlıurfa. Rund um Balıklıgöl und die Mevlid-i-Halil-Moschee begegnen wir der lokalen Abrahamstradition. Der Koran erzählt, dass das für Abraham bestimmte Feuer auf Gottes Befehl kühl und unschädlich wurde. Die Verwandlung des Feuers in Wasser und der Holzscheite in Fische ist dagegen eine lokale Urfaer Überlieferung; auch die sogenannte Geburtsgrotte Abrahams ist ein religiöser Erinnerungsort, kein archäologischer Geburtsnachweis. Gerade die Trennung von Schrift, Legende und Ortsfrömmigkeit macht die spirituelle Bedeutung des Ensembles verständlich.
Abendessen und Übernachtung: Şanlıurfa.
7. Tag - Göbekli Tepe - Am Beginn monumentaler Architektur
Am Morgen fahren wir nach Göbekli Tepe. Zwischen etwa 9600 und 8200 v. Chr. errichteten Gemeinschaften des präkeramischen Neolithikums monumentale runde, ovale und später rechteckige Anlagen. Ihre T-förmigen Kalksteinpfeiler tragen Reliefs von Wildtieren, abstrakten Zeichen und menschlichen Attributen. Die Fundstätte gehört zu den frühesten bekannten Beispielen monumentaler Architektur. Die populäre Bezeichnung „erster Tempel der Welt“ ist jedoch eine verkürzende Deutung: Funktion, Nutzung und Verhältnis von Ritual- und Alltagsleben werden weiterhin wissenschaftlich diskutiert.
Zurück in Şanlıurfa vertiefen wir unsere Eindrücke im Archäologischen Museum. Originalfunde, Modelle und Rekonstruktionen führen durch die lange Siedlungsgeschichte der Region. Die großen Pfeiler von Göbekli Tepe befinden sich überwiegend weiterhin am Fundort; im Museum sehen wir ausgewählte Funde und anschauliche Rekonstruktionen. Der sogenannte Urfa-Mann zählt zu den frühesten bekannten lebensgroßen Menschendarstellungen aus Stein – die absolute Formulierung „älteste Statue der Menschheitsgeschichte“ wird vermieden.
Im benachbarten Haleplibahçe-Mosaikmuseum begegnen wir der römischen und spätantiken Welt Edessas. Die am Fundort erhaltenen Mosaiken der sogenannten Amazonenvilla und das aus dem Ausland zurückgeführte Orpheusmosaik zeigen, wienlange Şanlıurfa ein kultureller Knotenpunkt blieb. Am späten Nachmittag fahren wir nach Adıyaman.
Abendessen und Übernachtung: Adıyaman.
8. Tag - Kommagene - Der Thron der Götter
Früh am Morgen fahren wir in die Berglandschaft von Kahta. Je nach Jahreszeit, Wetter und Straßenverhältnissen besuchen wir zunächst den Karakuş-Tumulus, die römische Cendere-Brücke und die Residenz- und Kultstätte Arsameia. So erschließt sich das Reich von Kommagene nicht nur über sein berühmtestes Monument, sondern als ganze politische und sakrale Landschaft.
Auf dem 2.150 Meter hohen Nemrut Dağı ließ König Antiochos I. im 1. Jahrhundert v. Chr. sein Hierothesion errichten – ein monumentales Heiligtum und Gedächtnisensemble mit Tumulus, Terrassen, Inschriften und kolossalen Götterfiguren. Antiochos verband in seinem Herrschaftsbild griechische und persische Götter, königliche Ahnen und seine eigene Person. Ob sich das eigentliche Grab im Tumulus befindet, ist bis heute nicht archäologisch nachgewiesen; sicher ist die Funktion des Ortes als dynastisches Tempel- und Erinnerungsmonument.
Nach dem Besuch fahren wir über Siverek nach Diyarbakır. Der Tag ist lang, aber dramaturgisch eindrucksvoll: vom synkretistischen Götterberg über den Euphrat bis zu den schwarzen Basaltmauern am Tigris.
Abendessen und Übernachtung: Diyarbakır.
9. Tag - Diyarbakır - Die Stadt der Basaltmauern
Diyarbakır, das historische Amida, liegt auf einem Basaltplateau über dem Tigris. Die rund 5,8 Kilometer lange Stadtmauer mit ihren Toren, Türmen und Inschriften bildet zusammen mit den Hevsel-Gärten eine UNESCO-Welterbestätte. Von der İçkale und ausgewählten Bastionen blicken wir auf die fruchtbare Kulturlandschaft zwischen Stadt und Fluss.
Unser Rundgang führt zur Großen Moschee, deren heutige Gestalt verschiedene islamische Epochen vereint, zum Hasan-Paşa-Han, durch die Basare und zum vierfüßigen Minarett der Şeyh-Mutahhar-Moschee. Nach Möglichkeit besuchen wir auch die syrisch-orthodoxe Marienkirche und weitere christliche Zeugnisse der Altstadt. An der Zehn-Bogen-Brücke aus dem 11. Jahrhundert endet der Stadtrundgang mit dem Blick zurück auf Mauern und Hevsel-Gärten.
Karl May nennt „Diarbekir“ in seinem Orientzyklus, liefert aber keine der im Ausgangstext behaupteten ausführlichen Stadtbeschreibungen. Auch hier bleibt er literarischer Begleiter, während die Stadt aus ihren tatsächlichen Bauwerken, Inschriften und Erinnerungen heraus erzählt wird.
Abendessen und Übernachtung: Diyarbakır.
10. Tag - Heimreise
Nach dem Frühstück Transfer zum Flughafen Diyarbakır. Rückflug nach Deutschland, je nach Flugplan direkt oder mit Umstieg in Istanbul.
ÜBERNACHTUNGEN
2 Nächte Hakkâri
1 Nacht Cizre
1 Nacht Midyat
1 Nacht Mardin
1 Nacht Şanlıurfa
1 Nacht Adıyaman
2 Nächte Diyarbakır
Gesamt: 9 Nächte

