Das Yıldız-Palast-Ensemble: Şale-Kasrı — ein Schloß für den deutschen Kaiser - Teil I


Thomas Weiberg



Wer hügelan durch den ausgedehnten und an vielen Stellen reichlich verwunschen wirkenden Yıldız-Park in Besiktaş spaziert, sollte in den reizenden Schlössern »Malta Köşkü« oder »Çadır Köşkü« eine Essens- oder Kaffeepause einlegen. Beide Schlösser stammen aus den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts, als Sultan Abdül Aziz das Osmanische Reich regierte und eine verschwenderische Hofhaltung führte.

Bis heute bezaubern beide Häuser über eine an Pariser Vorbildern orientierte opulente Ausstattung im Neo-Barockstil. Farbenfrohe Deckengemälde, reiche Stuckaturen und ein repräsentatives Treppenhaus lassen im Malta Köşkü fast vergessen, daß es sich heute um ein Restaurant handelt. Das Personal hat nichts dagegen, wenn sich interessierte Besucher behutsam in den Räumen umsehen, doch bitte nicht vergessen — das kleine Schloß ist kein Museum...

Von der Terrasse läßt sich an klaren Tagen das Marmara-Meer bis zu den Prinzeninseln überblicken — und bei klassischer orientalischer Musik erscheint hier das umtriebige Istanbul des Jahres 2018 weit entfernt. Der Çadır Köşkü ist kleiner — eine geschwungene Treppe führt durch einen verglasten Windfang in das elegante Innere.

Doch der Yıldız-Park hat noch mehr zu bieten: Am oberen Ende des Parks befindet sich das repräsentative Şale-Kasrı, das zum weitläufigen Ensemble des Yıldız- Palast-Ensembles gehört. Das langgestreckte Schloß ist zwar mit der eigentlichen Palastanlage Sultan Abdül Hamids II. verbunden, aber dennoch durch eine hohe Mauer von den übrigen Bauten desYıldız- Ensembles getrennt.



Der Name des Schlosses geht auf die in der französischen Schweiz verbreiteten »Chalets« zurück. Ursprünglich waren Chalets Sennhütten in den Alpen, die entweder aus Holz gebaut waren oder wenigstens eine Holzverschalung hatten. Im 19. Jahrhundert entwickelten der Adel und das reiche Bürgertum eine große Begeisterung für die ursprüngliche Schweizer Gebirgsszenerie — und das »Schweizer Haus« schmückte fortan Schloßparks und Gärten vom Nordkap bis nach Sizilien. Doch auch größere Gebäude wurden in diesem »rustikalen« Stil errichtet — es entstanden Villen, Hotelkomplexe und Schoßanlagen mit »alpenländischen« Holzverzierungen und -verschalungen.



Auch Sultan Abdül Hamid II. wollte ein Schloß im Schweizer »Chaletstil« besitzen, und so ließ er ab etwa 1880 im Yıldız-Park einen villenartigen zweigeschossigen Bau mit einer reich verzierten Holzverschalung, der »Şale Kasrı« genannt wurde, errichten. Eventuell wurde dieses Schloß schon als Gästehaus für hochrangige Besucher des Padischahs genutzt. Als 1889 der erste Besuch Kaiser Wilhelms II. bevorstand, ließ der Sultan durch den armenischstämmigen Hofbaumeister Sarkis Baylan, dessen Familie über mehrere Generationen phantasievolle Architekten stellte, die nicht nur mit ihren repräsentativen Schloßbauten das Antlitz der osmanischen Hauptstadt entscheidend prägten, das Şale-Schloß großzügig erweitern.

Baylan plante unter Mitarbeit von Nikolaki Kalfa im Untergeschoß Versorgungs- und Küchenräume, im Erdgeschoß zwei türkische Bäder (Hamam), einen repräsentativen Empfangsraum sowie Gäste- und Arbeitszimmer für die Begleitung der hochrangigen Staatsgäste. In der ersten Etage entstand dann eine Folge von vierzehn eleganten reich ausgestatteten Wohn- und Empfangsräumen für das deutsche Kaiserpaar. Es gab ein Arbeitszimmer für Kaiser Wilhelm II., ein Schreibzimmer für Kaiserin Auguste Victoria, einen Speisesaal, verschiedene Salons — und als höfliche Besonderheit ein gemeinsames Schlafzimmer für das Kaiserpaar, das, damals durchaus ungewöhnlich in diesen Kreisen, in einem gemeinsam Bett schlief. Außerdem hatte Baylan mehrere europäische Toiletten- und Badezimmer einbauen lassen.



Die Zimmer, so schrieb Kaiserin Auguste Victoria 1889 in einem Reisebericht für ihre Schwester, seien »wunderschön eingerichtet« und erinnerten sie in ihrer Pracht an die Schilderungen in den Märchen aus tausendundeiner Nacht. Besonders ein »Gartenzimmer mit wunderschönen Pflanzen, leichten Bambusmöbeln etc.« erweckte in der Kaiserin diesen Eindruck. Auguste Victoria fuhr fort: »Die Toilettenzimmer u. Schlafzimmer höchst elegant. Jeder fand auf s[einem] Wasch- u. Toilettentisch alle nur denkbaren Parfums, wohlriechendes Wasser, Puder, Nadeln [sicherlich Haarnadeln] etc, etc.«

Die Hofdame der Kaiserin, Gräfin von Keller, berichtete ein kleines Detail, das den am osmanischen Hof damals herrschenden Luxus anschaulich macht: »Mein Zimmer war in echt orientalischer Weise mit einer Menge Flaschen Parfüms, mit unzähligen Elfenbeinbürsten, Bergen von Süßigkeiten und Zigaretten ausgestattet. Die Behältnisse wurden täglich frisch gefüllt, auch wenn nicht ein Stück davon genommen war, das übrige entfernt.«


Fortsetzung folgt.


Thomas Weiberg


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